Ironman Hawaii: wie es war

Aloha!

Drei Wochen nach dem Ironman Hawaii teile ich gerne meine Impressionen mit euch.

Kailua-Kona ist eine kleine Stadt mit schönen Stränden, kristallklarem Wasser, ein paar Restaurants (seitlich meist offen, ein Dach reicht) und einem stündlich fahrenden Bus. Normale Menschen machen dort Strandferien in denen sie Schnorcheln und Cocktails trinken. Da ich 2.5 Wochen vor dem Wettkampf angereist war, erlebte ich zuerst ruhige Tage mit wenig anderen Athleten. Man hatte noch Zeit alle zu grüssen. Dies änderte sich natürlich schnell. Die Kleinstadt platzte aus allen Nähten und die Einwohner unterhielten sich darüber, dass sie Angst hatten mit den vielen Radfahrern noch Auto zu fahren. Bis auf wenige sind die Einheimischen sehr hilfsbereit gegenüber und beeindruckt von den Teilnehmenden der Ironman WM.

Klimatisch ist es ziemlich genau so, wie alle erzählen. Knapp unter 30°C und 60-80% Luftfeuchtigkeit. Auch deutlich nach Sonnenuntergang (ca. 18:15 Uhr) schwitzt man noch und morgens wird es ebenfalls schnell warm. Zudem windet es. Mal mehr, mal weniger. Immer relativ unvorhersehbar aus welcher Richtung. Auf All das hatte ich mich gut vorbereitet und nutzte die Zeit bis zum Wettkampf um vor Ort noch ein paar Schlüsseltrainings zu absolvieren. Ich freute mich sehr auf das Rennen und fühlte mich gut.

Es gelang mir beim Schwimmen eine passende Gruppe zu finden und dank der Strömung kam der erste Wendepunkt gefühlt schnell. Entsprechend anstrengender wurde dann der Rückweg. Gegen die Strömung schwimmt es sich nicht mehr so leicht und der zunehmende Wellengang machte es auch schwierig in der Gruppe kompakt zu bleiben. So schwammen wir dann öfter neben- statt hintereinander und das Pier näherte sich nur langsam. Ich ermüdete aber weniger als in anderen Rennen über diese Distanz und kam ohne grossen Energieverbrauch in die Wechselzone. Dort konnte ich dann eine ordentliche Anzahl meiner Konkurrentinnen überholen (von Rang 55 auf 47 gewechselt) und freute mich auf die Radstrecke. Ich setzte meine geplante Aufholjagd fort, spürte aber nach den ersten Kilometern, dass mir schlecht war. Hatte ich etwas falsches gegessen? Vertrage ich plötzlich mein erprobtes Sportgetränk nicht mehr? Keine Antwort machte Sinn und ich versuchte stark weiterzufahren. Die ersten 30km funktionierte das noch, doch dann musste ich reduzieren um meine Nahrung bei mir zu behalten. Wie erwartet nahm der Wind stetig zu, so dass die – eigentlich moderate – Steigung nach Hawi streng wurde. Beim Versuch nicht zu viel überholt zu werden musste ich mich dann kurz übergeben. Der Wendepunkt und mit ihm eine kurze Abfahrt mit Rückenwind waren für mich entsprechend ein Segen. Erwartungsgemäss langweilig im Gegenwind war die Strecke von Waikoloa bis zum Flughafen. Erneut konnte ich nicht meine ganze Nahrung bei mir behalten und entsprechend langsam war die Fahrt. Doch andere kämpften offenbar auch und ich konnte auf den letzten 20km noch ein paar Plätze gut machen (lag ca. auf Rang 30 in meiner AK). Beim Wechsel liess ich mir mehr Zeit als normal, da ich im Kopf etwas aufgegeben hatte. Ich hatte das Gefühl so weit hinten zu sein, dass es nur noch ums finishen und nicht um einen Rang ging (Ziel war Top10 in meiner AK). So lief ich dann in bescheidenem Tempo los und teilte meinen Supportern mit wie schlecht es mir ging. Nach ein paar Kilometern spürte ich dann aber, dass das Laufen gar nicht so übel war. Ich steigerte das Tempo und fühlte mich besser. Bis auf eine Steigung auf dem Alii Drive empfand ich die coupierte Strecke nicht als anstrengend und freute mich auf den Anstieg die legendäre Palani Road hoch. Nach der Information, dass ich auf den ersten 12km bereits 10 Ränge gut gemacht hatte stieg meine Motivation. Vielleicht ist da doch noch was zu holen. Ich konzentrierte mich darauf an jeder aid station viel Wasser über mich zu giessen, Eis einzupacken und genug zu trinken. Dazwischen nahm ich mir jeweils die vor mir liegende Athletin als Ziel und wartete bis ich sie einholen konnte – ohne dabei zu schnell zu werden. Das Energy Lab wartete ja noch auf mich. Gut kühlen, gut verpflegen und dann kontrolliert wieder hochlaufen gelangen mir gut. Ich war im flow. Zwischen der drittletzten und zweitletzten aid station war ich so durstig, dass ich anfing Eiswürfel zu essen. Viel zu heiss war mir nicht, aber Durst hatte ich wie ein Kamel. Als ich Jean-Claude kurz nach km39 sah, wusste ich, dass ich nochmals Gas geben musste. Wir hatten vereinbart, dass er dort (nur) stehen würde, falls es auf den letzten 2-3km noch etwas zu holen gäbe. Offenbar lag ich auf Position 13 und hatte 3 Athletinnen mit maximal 2 Minuten Vorsprung vor mir. Läge da sogar noch der 10. Rang drin?? Ich schlug das schnellste Tempo an, was über diese Distanz noch halten konnte. Zuerst noch den Queen K Highway hoch, dann die Palani Road runter (mein schnellster Kilometer in 4:13min), links auf den Kuakini Highway, die Hualalai Road runter und wieder rechts auf den Alii Drive wo bald der rote Teppich und der mystische Zielbogen zu sehen waren. „Pau kahana“. Die Arbeit war getan. Mein Ziel „Top10 AK“ hatte ich um 20 Sekunden verfehlt. Darüber bin ich enttäuscht. Damit, im Marathon noch 20 Ränge gut gemacht zu haben darf ich sicher zufrieden sein. Ich bin dankbar dafür, den lange gehegten Traum der Ironman WM auf Hawaii erlebt zu haben und dabei einiges für zukünftige Wettkämpfe gelernt zu haben.

Mahalo!